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Vina Mundi Online Shop > Blog > www.vinamundi.de > Winzer und Erzeuger

Autor: Stevie Huppenbauer | 23.06.2016 um 14:13 Uhr | 0 Kommentare

Der Plan des Christoph Lindner

Christoph Lindner kam im komplizierten Jahr 2010 in das Landesweingut nach Kloster Pforta. Mit grundsolider Ausbildung als Winzer  und abgeschlossenem Studium in der Tasche, landete er im gebeutelsten Weinkeller der Region. Ein Hochwasser hinter und das nächste vor sich, begann er als Kellermeister seinen Plan zu verwirklichen. Nach und nach sammelte er die Erfahrungen ein und führte einige seiner Weine an die Spitze der regionalen Weine. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, er weiß was er will, er definiert sich ein Ziel, das er verantwortungsbewusst verfolgt. Mit Ausnahme der Hochwassergefahr besteht im Moment kein Grund zur Besorgnis. Der Keller ist Dank der Eigentumsverhältnisse, der wohl am besten ausgestattete Keller an Saale-Unstrut. Barrique aus besten französischen Hölzern aus dem Limousin und, damit das Geld im Land bleibt, die großen Fässer von einheimischen regionalen Erzeugern wie Familie Romberg.

Die Weine bekommen die Zeit und Ruhe die sie benötigen, vom 2015er Jahrgang sind bislang nur die Gutsweine gefüllt. Ich möchte nun nicht zu viel ausplaudern, aber bei den vorgenommenen Fassproben waren schon einige Knaller dabei. Der Weißburgunder Barrique, schon sehr schön rund und dem Jahrgang geschuldet, feingliedriger und eleganter als sein Vorgänger. Auch auf den Grauburgunder darf man sich freuen. Die beiden Rieslinge haben sich noch nicht komplett entschieden wo es hingeht, aber auch hier ein schöner Schritt nach vorn. Da ich in meinem neuen Buch ein Porträt von Christoph Linder schreiben werde, möchte ich hier den Beitrag mit dem Wunsch schließen, dass die politischen Veränderungen im zuständigen Ministerium nicht da weiter machen, wo die Vorgänger schon versagt haben.

Der zuständigen Ministerin möchte man folgendes  zurufen: Schaffen Sie den Aufsichtsrat ab, und wenn es die Landesusancen schon fordern, dass es so ein Gremium gibt, dann ändern Sie die Usancen. Dieses Weingut stellt sich gerade neu auf, tolle junge Menschen üben verantwortungsvolle Arbeit aus. Die Weingärten sind grandios in Schuss – das war nicht immer so. Treffen sie, liebe Frau Ministerin, Entscheidungen für die jungen Menschen, die dort arbeiten und hier bleiben wollen. Ein Mann wie Christoph Lindner, um nur ein Beispiel zu nennen, könnte mit seinem Wissen und seinem Talent überall auf der Welt arbeiten. Nirgendwo müsste er Angst haben, dass nach eine Woche Regen ein Fluss durch seinen Keller fließt. Liebe Frau Prof. Dr. Dalbert, tun sie etwas, dass diese Jugend im Land bleibt, sie haben es versprochen und dafür habe ich sie auch gewählt.

Rainer Albert Huppenbauer           

Autor: Stevie Huppenbauer | 19.10.2015 um 14:50 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut-Supreme verlässt die Region!

Nichts ist auf dieser Welt einfacher, als eine Flasche 2010er Mouton Rothschild zu verkaufen. Sie kostet um die 1000 Euro und ist trotzdem schwer zu bekommen. Dieser Wein, obwohl es noch deutlich teurere gibt, ist der Inbegriff für exclusiv, teuer und rar. Es ist müßig darüber zu spekulieren, warum Weintrinker so viel Geld für eine Flasche Wein ausgeben. Vieles, auch Anlagespekulation spielt da mit Sicherheit eine große Rolle. Der wichtigste Aspekt aber scheint mir die Tatsache zu sein, dass es immer wieder, seit mehr als 150 Jahren gelingt, große Weine hervorzubringen. Die Nachfrage kann selten befriedigt werden und das, oder gerade wegen dem hohen Preis. Es gibt aus meiner Sicht nur ein einziges Produkt in der Welt, dass diesen  Wein noch topt. Dieses Luxusgut stammt aus dem sonnigen, sozialistischen Kuba und ist ein Sammlerstück in Buchform mit 20 hochwertigen Zigarren für etwa 1300 Euro. Man braucht Glück und wirklich sehr gute Beziehungen, um ein solches "Buch" zu ergattern. Eines aber haben all diesen guten Stücke gemeinsam, sie werben mit ihrer Qualität für sich selbst und und werden so zum KULT. Dieser Kult nutzt nicht nur dem speziellen Produkt an sich, sondern verlagert sich auf ganze Regionen und sogar Länder. Niemand würde heute ernsthaft behaupten, Bordeauxwein oder kubanische Zigarren sind von schlechter Qualität. Dennoch, auch noch so teure Luxusgüter, man kann über deren Sinn sicher trefflich streiten, kommen ohne Botschafter, die für sie und mit ihnen werben aus.

Als Weinhändler und Buchautor beschäftige ich mich sehr umfänglich mit Saale-Unstrut-Wein. Ich habe lange darüber nachgedacht, mit welchen Mechanismen man arbeiten muss,  um qualitativ hochwertige Weine aus der Saale-Unstrut-Region in Deutschland bekannt zu machen.  Irgendwann kam mir dann der Gedanke, die Saale-Unstrut-Weine von denen ich überzeugt bin, aus der Region herauszutragen. Ein erster Schritt war mein Buch Saale Unstrut / vina mediterranea.  Der zweite Schritt, der nun logisch folgt heißt: Saale-Unstrut-Supreme. Es steht für eine Veranstaltungsreihe mit den hochwertigsten Weinen der Saale-Unstrut-Region. Der Start erfolgt in der Region selbst, die die Weine hervorbringt. Die Fortsetzung soll dort erfolgen, wo niemand auch nur eine Ahnung davon hat, was ihn bei diesen Weinen erwartet. Dafür muss ich mit Partnern reden, die auch ein hartes Leben für Qualität führen. Der Weg, so glaube ich, wird dann erfolgeich sein, wenn ich Köche, Sommeliers  oder Restaurantbesitzer in Hamburg, Stuttgart oder München, die sich ausschließlich an Qualität messen lassen wollen, für diese Weine begeistere. Es wird mit Sicherheit nicht leicht, aber  gemessen an den anderen Herausforderungen die auf uns zukommen, ist es geradezu ein Kinderspiel. 
Natürlich, einfacher wäre es teure Bordeauxweine zu verkaufen. Aber es wäre auch langweilig. Wenn es irgendetwas gibt, was ich nicht brauche, dann ist es Langeweile. Also hier meine Bitte, folgen Sie Saale-Unstrut-Suprem zunächst mal in die Orangerie nach Großjena. Die Lafer`s, Hennsler`s und Raue`s müssen sich noch etwas gedulden. 
Tags: Saale-Unstrut-Supreme
Autor: Stevie Huppenbauer | 12.05.2015 um 16:36 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut-Wein: Jungweinprobe bei Andre Gussek am 01.05.2015 und Schlußbemerkungen!

Es war beschaulich und aufregend. Beschaulich, weil zur gleichen Zeit der Freyburger Weinfrühling tobte (ich hatte Platz) und aufregend, weil die Qualität der Weine eine Demonstration Naumburger Winzerkunst offenbarte, die ich diesem Jahrgang niemals zugetraut hätte. Das Gussek und sein familiäres Team Wein machen beherrschen ist nicht neu, dass er sich aber so derartig abhebt, ist ein starkes Zeichen für den qualitätsbewußten Verbraucher. Das Geheimnis ist im Grund keines, falls jemand die Frage stellt wie macht der das denn? Es ist etwas, was für jeden Winzer selbstverständlich sein sollte: Sorgfalt während der Lese. In diesem Jahr war es besonders wichtig und besonders nötig, wollte man qualitativ hochwertige Weine erzeugen. Das wollen ja bekanntermaßen alle, wie ich immer wieder hören durfte, dennoch sind die qualitativen Unterschiede zur Masse der Erzeuger derart deutlich, dass ich auf weitere Kommentare verzichten muss.
Und wenn ich den Schluß meiner Verkostungs(tor)tour jetzt auf einen Nenner bringen möchte, dann ist eben  der Titel "Alles trinkbar und manches Spitze" - oder so ähnlich - von einem der noch viel lernen muss, eine unzulässige Veralgemeinerung der Problematik des Jahrgangs 2014.  Und wenn wir schon mal dabei sind, Spitze kommt mit ganz wenigen Ausnahmen nur von den Winzern, die auch in der Klassifizierung meines Buches Saale-Unstrut / vina mediterranea ganz oben stehen. Auch da hat der eine oder andere mal einen erklärungswürdigen Wein an Deck, aber eben nur einen und nicht die Masse des Sortiments in Herbstlaub gelber Farbe. 
Gussek brauchte mir nichts zu erklären, nur ein Silvaner aus der BIN Reihe, ich glaube 88, war so ein Kandidat. Der Grund, dieser Silvaner war wie von einem anderen Stern. Andre Gusseks zufriedenes Lächeln ließ die Erinnerung an Chaostage während des Winzerfestes wie einen Schneball im Hochofen verdampfen. Und wer weiß, wie Andre Gussek da aus sah, kann es verstehen. Bei der gesamten Kollektion von Gussek wird  sehr präzise die Rebstilistik in den Vordergrund gestellt. Diese in Verbindung mit den Lagen macht eben den Unterschied. Bei den Rieslingen, ich habe schon darüber geschrieben, wird es so derartig deutlich, dass man sich eigentlich nur noch freuen kann. Alles andere in gewohnt höchster Qualität die für sich und damit für Gussek spricht.
Das Andre Gussek auch in diesem Jahr wieder einen Gast hatte, hätte ich fast unterschlagen, allerdings zu Unrecht. Denn das aus Radebeul stammende Weingut "DREI Herren", präsentierte ebenfalls viel Klasse. Es lohnt sich mal wieder in Sachsen einzufallen, bevor es die Potsdamer und Berliner tun.
  
 
Autor: Stevie Huppenbauer | 12.05.2015 um 16:36 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut-Wein: Jungweinprobe bei Andre Gussek am 01.05.2015 und Schlußbemerkungen!

Es war beschaulich und aufregend. Beschaulich, weil zur gleichen Zeit der Freyburger Weinfrühling tobte (ich hatte Platz) und aufregend, weil die Qualität der Weine eine Demonstration Naumburger Winzerkunst offenbarte, die ich diesem Jahrgang niemals zugetraut hätte. Das Gussek und sein familiäres Team Wein machen beherrschen ist nicht neu, dass er sich aber so derartig abhebt, ist ein starkes Zeichen für den qualitätsbewußten Verbraucher. Das Geheimnis ist im Grund keines, falls jemand die Frage stellt wie macht der das denn? Es ist etwas, was für jeden Winzer selbstverständlich sein sollte: Sorgfalt während der Lese. In diesem Jahr war es besonders wichtig und besonders nötig, wollte man qualitativ hochwertige Weine erzeugen. Das wollen ja bekanntermaßen alle, wie ich immer wieder hören durfte, dennoch sind die qualitativen Unterschiede zur Masse der Erzeuger derart deutlich, dass ich auf weitere Kommentare verzichten muss.
Und wenn ich den Schluß meiner Verkostungs(tor)tour jetzt auf einen Nenner bringen möchte, dann ist eben  der Titel "Alles trinkbar und manches Spitze" - oder so ähnlich - von einem der noch viel lernen muss, eine unzulässige Veralgemeinerung der Problematik des Jahrgangs 2014.  Und wenn wir schon mal dabei sind, Spitze kommt mit ganz wenigen Ausnahmen nur von den Winzern, die auch in der Klassifizierung meines Buches Saale-Unstrut / vina mediterranea ganz oben stehen. Auch da hat der eine oder andere mal einen erklärungswürdigen Wein an Deck, aber eben nur einen und nicht die Masse des Sortiments in Herbstlaub gelber Farbe. 
Gussek brauchte mir nichts zu erklären, nur ein Silvaner aus der BIN Reihe, ich glaube 88, war so ein Kandidat. Der Grund, dieser Silvaner war wie von einem anderen Stern. Andre Gusseks zufriedenes Lächeln ließ die Erinnerung an Chaostage während des Winzerfestes wie einen Schneball im Hochofen verdampfen. Und wer weiß, wie Andre Gussek da aus sah, kann es verstehen. Bei der gesamten Kollektion von Gussek wird  sehr präzise die Rebstilistik in den Vordergrund gestellt. Diese in Verbindung mit den Lagen macht eben den Unterschied. Bei den Rieslingen, ich habe schon darüber geschrieben, wird es so derartig deutlich, dass man sich eigentlich nur noch freuen kann. Alles andere in gewohnt höchster Qualität die für sich und damit für Gussek spricht.
Das Andre Gussek auch in diesem Jahr wieder einen Gast hatte, hätte ich fast unterschlagen, allerdings zu Unrecht. Denn das aus Radebeul stammende Weingut "DREI Herren", präsentierte ebenfalls viel Klasse. Es lohnt sich mal wieder in Sachsen einzufallen, bevor es die Potsdamer und Berliner tun.
  
 
Autor: Stevie Huppenbauer | 27.04.2015 um 15:06 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut-Wein: Jungweinprobe Weingut Hey am 25.04.2015

Das Erstaunlichste ist, dass dieser Jahrgang unglaublich viele Facetten hervorbringt. Da ich seit Februar regelmäßig die Weine von Matthias Hey probiere erlaube ich mir folgenden Kommentar: In den von Matthias Hey vorgelegten Weinen wird deutlich, dass das erreichte qualitative Maß in eine Sphäre eindringt die man erklären muss. Diese Weine sind qualitativ der Region entwachsen, ohne die Region verlassen zu haben. Die Jungweinprobe bei Matthias Hey und seinen Eltern stärkt meinen Glauben daran, dass es auf Grund der klimatischen Bedingungen und der Bodenverhältnisse möglich ist, absolute deutsche Spitzenweine im Weißweinbereich - und hier vorallem beim Riesling und Weißburgunder zu erzeugen. Hey beschreitet diesen Weg sehr konsequent, er lässt sich nicht irritieren von Zwischenrufen der Hinterbänkler und er lässt sich vorallem nicht treiben. Alles zu seiner Zeit, der Wein bestimmt den Takt, nicht der Handel.
Nicht jeder ist offen für diesen Stil, vorallem dann nicht, wenn der oft zitierte Saale-Unstrut-Klassiker (furztrocken) bemüht wird. Den Weinen merkt man an, dass in Ruhe und so lange gearbeitet wird, bis Hey selbst zufrieden ist. Dann muss er sich, seine Idee und seinen Wein verkaufen, darauf verzichtet die große Menge seiner Kollegen. Allein das Wort Verkäufer treibt einigen Kollegen von Hey den Angstschweiß ins Gesicht, weil sie das nicht müssen, es wird ja bestellt und abgeholt, und daher wollen sie darüber auch nicht nachdenken. Nur wenige schließen sich Hey an. Es macht dennoch Mut, dass es  Mitstreiter gibt, wenn auch wenige.
Ja, Hey macht seinen Wein, wie dereinst große deutsche Winzer am Beginn ihrer Karriere. Winzer vom Schlage des Reinhard Löwenstein bis zu Hansjörg Rebholz sind seine Brüder im Geiste, jedoch niemals im Stil, er ist dabei seinen Stil zu kreieren und der wird bleiben . Das ihm dabei auch manches nicht 100% zufrieden stellt, ist nur normal. 
Freuen Sie sich also auf eine wunderbare Kollektion von Weiß- und Rotweinen, die sicher nicht unumstritten ist, für mich gehören die Weine jedoch mit zum Besten, was ich an der Saale und der Unstrut bislang probieren durfte.