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Autor: Stevie Huppenbauer | 28.06.2017 um 21:23 Uhr | 0 Kommentare

Restaurantkritik Gasthof Zufriedenheit in Naumburg

Restaurantkritik  „Gasthof Zufriedenheit“ in Naumburg
 
Wenn ich in ein Restaurant gehe, will ich es schön haben. Andere wollen essen bis sie platzen. Wieder andere wollen sparen. Für alle, die es schön haben wollen, gibt es in der Stadt Naumburg (Saale) kurz vor dem Dom ein Hotel und Restaurant, das nicht nur regionale Maßstäbe setzt. Ich war jetzt drei Mal zu Gast und erlaube mir, meine Meinung darüber kund zu tun.
 
Um es vorweg zu nehmen, es war jedes Mal ein schönes Erlebnis. Aber der Reihe nach. Das Haus wurde im März 2017 nach rund zwei Jahren Bauzeit eröffnet. 
Ein Berliner Unternehmer steht dahinter und wird wohl auch in der nächsten Zeit als Mäzen zur Verfügung stehen müssen. Nicht etwa weil die Qualität nicht stimmt ist das so, sondern gerade weil der Qualitätsanspruch sich in einer Region behaupten muss, die derlei noch nicht kennt, wohl aber dringend nötig hat. Sicher, es gibt manch gute Adresse an den Flüssen der Weinregion und der Kulturlandschaft aber keine hat es bisher weder versucht noch vermocht, einen Anspruch in dieser Güte zu etablieren. Das Zauberwort heißt Sterneküche, wenn auch im Moment noch ohne Stern.
Nun habe ich schon viele Ansprüche erlebt und gehofft, dass in Punkto Qualität eines Restaurants sich etwas tut. Leider verlief das bisher immer im Sande, weil die Besitzer, seien es nun die des Hotels Edelacker oder die der Naumburger Hotels der CK Gruppe, abwinken obwohl sie in der Lage wären, Gleiches zu leisten. Sie wissen und können es eventuell nicht besser. Einzig das Hotel Unstruttal in Freyburg ist gastronomisch, auch ohne Mäzen, nun in guter Gesellschaft. Ein Ansporn, im Weinsegment etwas zu tun, sollte sich rasch bis nach Freyburg herum sprechen.
 
Zum Restaurantbesuch ist mithin nicht viel zu sagen. Gekonnte Kreationen, minimalistisch auf dem Punkt. Die Vorspeisen, wir hatten beim letzten Besuch während des Kirschfestes Jacobsmuscheln auf Thymianpürée an einem Kirschsud.
Sehr deliziös und die Muscheln zergingen am Gaumen. Die Hauptgänge zum einen eine Variation aus Königsberger Klopsen mit Flusskrebsen und einen Klassiker, Kalbsschnitzel mit lauwarmen Kartoffelsalat.  Beides unwiderstehlich und so portioniert, dass wir glücklich nach Hause gehen konnten. 
 
Das Personal, noch in einer „Findungsphase“, ist motiviert und wird kleinere Defizite,  betrachtet man es im Zusammenhang mit dem jugendlichen Alter des Restaurants, in Kürze abgelegen, davon bin ich überzeugt.
Bleibt die Weinkarte, ein regionales Novum, in der das wirklich Beste der Region in Reih und Glied mit großen Weinen von deutschen und europäischen Spitzenerzeugern steht. Das Ambiente ist mediterran, der Innenhof römisch und dennoch modern. Kein bisschen zu viel oder zu wenig. Alles im Einklang mit zufriedener Gastlichkeit.
Eine lohnende Adresse für alle, die es schön haben wollen.  

Rainer Albert Huppenbauer, 28.06.2017  

Autor: Stevie Huppenbauer | 12.06.2017 um 22:01 Uhr | 0 Kommentare

Hotel zur alten Schmiede - Restaurantkritik Teil 2 ein Jahr später!

Irgendwie hatte ich es im Blut, einer Menge Menschen habe ich die "Alte Schmiede" in Naumburg empfohlen. Als meine Nichte dann im März ihre Geschichte von total zähen Ochsenbäckchen erzählte, wurde ich mißtrauisch.
Eine Leipziger Touristengruppe, der ich ebenfalls im letzten Jahr die Schmiede empfahl, fühlte sich gar verscheissert. Also ging ich heute, 12.06.2017 selber hin.
Zunächst wie gewohnt das Positive: Die Weinkarte hat sich geändert. Das Weingut Herzer findet nicht mehr statt. Bravo möchte man rufen. Aber es ist wie immer, so eine richtige Weinkarte ist es nach wie vor nicht. Keiner der wirklich wichtigen, und guten Erzeuger aus Naumburg ist zu finden. Weder Gussek noch Hey oder Lützkendorf. Das Landesweingut als Alibi, der Rest zweite und dritte Reihe aus Zeitz und Bad Sulza. Dass die Winzervereinigung präsent ist, versteht sich in dieser Gemengelage von selbst. ( GEIZ IS"S"T und TRINKT GEIL)
Zum Essen: Nichts ist vom letzten Jahr übrig geblieben. Keine Handschrift mehr. Naumburger Allerlei. Vermutlich hat der Koch gewechselt, oder er war im Urlaub. Die Suppe, Kartoffel - Apfelrahmsuppe eine schöne Idee, die Umsetzung zu Sauer. Die Rinderroulade war trocken und hatte genau den Biss, den man sich nicht wünscht.  Die Sauce passabel, die extra bestellten Kartoffelspeckplätzchen hatten zu viel Öl gesehen und waren fettig. Die zweite gewählte Beilage (Bohnen und Tomaten) waren das Beste am Gericht.
Das Personal war flink, freundlich und sehr bemüht, es behaglich zu machen. Angesprochene Mängel wurden entschuldigt. 
Alles in allem, mal abgesehen von den Ansprüchen des Hoteleigners und dem wirklich sehr bemühten, aber verunsichert wirkenden Service, ist die vier Sterne  Ausweisung  für die Gastronomie des Hauses in keiner Weise mehr gerechtfertigt.  
Warum sich in einer so kurzen Zeit eine solche Entwicklung ereignet hat, sollte der, der an der Spitze des Hauses steht mal hinterfragen. Im Übrigen, nur einhundert Meter weiter im Steinweg befindet sich der Gasthof Zufriedenheit. Da finden Sie all dass, was die Schmiede nicht bietet. Einfach mal hingehen. Alles auf den Punkt, auch ohne Stern.
Ein altes Sprichwort sagt: Der Fisch .... und so weiter. Ich glaube das Küchenpersonal der Schmiede will und kann besser. Aber was soll es, wenn es der Kopf sparen will. Das Haus könnte eine dringend nötige Bereicherung der Szene in Naumburg sein. Wie gesagt es könnte und auch finanziell wäre es möglich. Doch es ist neues Geld und kein konservatives, es fehlt an Geschmack in der Chefetage. Schade, im letzten Jahr dachte ich der Knoten ist geplatzt. Tja und da die obere Etage auch noch beratungsresistent ist, wird der untere Durchschnitt wohl bleiben. Hat auch sein Gutes, da gibt es dann im Lindenring neben der "Auspsanne zum Alten Krug" und der kurdischen Pizzeria gleich nebenan, drei mal Gastronomie auf Augenhöhe. 

Rainer Albert Huppenbauer
12.06.2017
     
Tags: Naumburg, Hotel zur alten Schmiede
Autor: Stevie Huppenbauer | 06.05.2017 um 14:54 Uhr | 0 Kommentare

Der Burgunder - König

Genau weiß ich nicht ob ihm diese Wertung gefällt, wohl eher nicht. Dennoch fällt mir nichts Besseres ein. König und nicht Papst, denn Päpste wechseln, Könige eher nicht. Und da der einzige Feind der Monarchen die Revolution ist, sollte man, da keine in Sichtweite ist, davon ausgehen: Der König bleibt, stürzen kann ihn keiner.
Jedenfalls nicht in der Sparte der Burgunder. Und ich glaube zu wissen, wie Kollegen seine Arbeit beurteilen und schätzen.
 
Ein Weingut mit ca. 10 Hektar Rebfläche und einer für hiesige Verhältnisse kaum zu überschauenden Vielfalt an Burgundern. Straff, ja fast preußisch und doch frankophil gegliedert, werden Lagenweine mit unglaublichem Potential erzeugt.
Konkret gibt es, alles in allem aktuell siebzehn verschiedene Burgunderweine.
Weißburgunder sind es fünf, Grauburgunder ebenso fünf Weine.
Ein Frühburgunder vom Naumburger Göttersitz und fünf Spätburgunder. Alle Weine unterscheiden sich von einander nicht nur durch ihre Herkunft, sondern auch durch ihren Ausbau. Gussek und seine Kellermeisterin Hella Päger behalten die Übersicht, ja ich gebe es zu, mir fällt es manchmal schwer. Aber wenn ich dann die langsam gereiften Lagenweine trinke, fällt jeder Zweifel nach dem ersten Schluck ab.
Derzeit verkauft Gussek seine 2015er Weine. Bei den Burgundern ist noch kein einziger 2016er auf dem Markt. Die Weine fangen jetzt an sich zu öffnen und ihre volle Kraft und Eleganz zu entfalten. Beim Spätburgunder sind noch einige 2013er zu haben, die noch eine lohneswerte Zeit vor sich haben. Zehn bis fünfzehn Jahre ohne Probleme. Ich werde mich disziplinieren müssen. Die Weißen, also Grau- und  Weißburgunder sind in allen Segmenten, sei es bei den Ortsweinen oder den Lagenweinen gerade dabei, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Aber auch hier gilt, gut Ding will Weile haben. Besonders die Weine mit Holzkontakt haben noch einiges an Leben und Geschmack vor sich.
Man kann Andre Gussek nur gratulieren. Umso mehr, da wir in einer Zeit arbeiten und leben, in der jeder alles sofort will. Es ist schön, dass mal was alle ist. Gusseks System der Lagentreue und Vielfalt fördert genau das. 
Tags: Burgunder, Gussek
Autor: Stevie Huppenbauer | 22.04.2017 um 16:05 Uhr | 0 Kommentare

Die Weinbruderschaft von Saale-Unstrut schreitet zur Tat

Die Weinbruderschaft Saale-Unstrut e.V. lobt seit vielen Jahren einen Ehrenpreis der Bruderschaft aus.
In insgesamt vier Kategorien werden Sieger ermittelt. Diese Kategorien sind: Weißweine trocken mit einer Restsüße von neun Gramm pro Liter. Eine weitere Kategorie beinhaltet Weiß- und Rotweine die als klassisch trocken bezeichnet werden. Diese dürfen eine Restsüße von maximal vier Gramm pro Liter haben. Es schließen sich die Rotweine trocken  und die restsüßen Weine ab neun Gramm Restsüße pro Liter an.
Insgesamt werden durch die Bruderschaft in diesem Jahr einundvierzig Weine aus fünf Jahrgängen in Blindverkostung bewertet. Das Bewertungssystem ist einfach und übersichtlich. Die niedrigste Bewertung ist minus fünf, die höchste plus fünf Punkte. Der Wein mit den meisten Punkten bekommt den Preis in der jeweiligen Kategorie. Zum Ernst der Sache gehört jedoch auch, dass der Höchstbewertende und der Juror mit der niedrigsten Bewertung eine Begründung liefern müssen. Dieser Umstand allein, macht diese Wahl besonders und wohl auch zu einem weinkulturellen Höhepunkt des jeweiligen Weinjahres. Wie man hören konnte, so waren schon Debatten im Gange, die selbst legendäre Bundestagsreden in den Schatten stellten, bei denen Herbert Wehner und Franz Josef Strauß aneinander gerieten.
 
Die Auswahl der Weine wird durch die Winzer getroffen. Prinzipiell darf jeder Winzer Weine einstellen. In diesem Jahr beteiligten sich insgesamt zwölf Winzer an dem Prozedere. Die meisten Weine stellt die Winzervereinigung aus Freyburg.  
Wenn man bedenkt, dass das in etwa nur fünfzehn Prozent der Winzerschaft ist, so stellt sich doch die ein oder andere Frage, warum einige große Namen fehlen. Andererseits nutzen nur sehr wenige kleinere und zum Teil noch nicht so bekannte Winzer diese Plattform. Natürlich, die Bewertung ist hart, ganz sicher härter und objektiver als bei der DLG Preisverstreuung, aber sie ist natürlich auch sehr aussagekräftig. Eventuell scheut ja der eine oder andere Winzer, der sich zum Beispiel mit erhaltenen  Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei der DLG oder der Gebiesweinprämierung den Hof pflastern kann, gerade die doch relativ große Objektivität  dieses Bewertungssystem. Allein durch die Vielzahl der Juroren ist eine relativ große mathematische Sicherheit gegeben, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit der Beste prämiert wird.    
 
Na dann, seien wir gespannt, wem in diesem Jahr der Ministerpräsident Thüringens die Ehrenpreise überreichen wird. Nach meinem Kenntnisstand wird die Überreichung der Preise abwechselnd in Erfurt und Magdeburg, durch die jeweiligen Ministerpräsidenten vorgenommen.      

Rainer Huppenbauer
22.04.2017
 

Autor: Stevie Huppenbauer | 14.03.2017 um 15:42 Uhr | 1 Kommentar

Matthias Hey der Jahrgang 2016, jede Menge Pferdemist und ein Sommergetränk!

Die Sonne blinzelte durch die Märzwolken, brachte ein wenig Wärme herüber und lud förmlich zu einer kleinen Verkostung am Fuße des Steinmeisters ein. Gegenstand waren die frisch gefüllten Guts- und Ortsweine von Matthias Hey.
Um es vorweg zu nehmen, Matthias Hey hat diesen Jahrgang, der sich für ihn, auf Grund der trockenen Steillage deutlich schwieriger darstellte als für seine Kollegen, souverän gemeistert. Und so ist es wie immer, wenn einer weiß was er will und sein Handwerk beherrscht, wird das Optimale erreicht. Aber zur Verkostung und worauf Sie sich freuen können.
In der Flasche ist die vierte Auflage des Weissen Hey, wie in jedem Jahr eine Weißweincuvée die frisch und elegant ist. Diesmal entschied sich Matthias Hey für Silvaner und Riesling. Alles sehr schön in Balance mit viel Trinkspaß. Der Riesling dominiert mit seiner Frische (Mineralität) und einer süßlich wirkenden Zitrusfrucht (Ananas). Der Silvaner ergänzt diese Note sehr schön mit kräuteriger Substanz und etwas grüner Banane. Der Wein wird ab Anfang April zu kaufen sein.
 
Der Weißburgunder Gutswein besticht durch viel Rasse, Gelbfruchtaromen und diese für Matthias Heys Weine oft typische Lebendigkeit. Auch hier alles in Balance, von nichts zu viel oder zu wenig. Der Wein steht am Gaumen und glänzt mit großartiger Mineralität.
 
Der Gutedel, hier die erste Füllung, es folgt eine zweite, wie immer eine Bank. Saubere, helle Farbe mit feinen Reflexen, erdige Gelbfrucht nicht aufdringlich weil mineralisch.
 
Der Müller-Thurgau stellt klar, dass er eine trockene Lage wie den Steinmeister nicht bevorzugt. Was daraus gemacht wurde ist ein unterhaltsamer Wein zum wegschlürfen.
 
Der Rose wie in jedem Jahr aus Zweigelt und Portugieser. Feinste und vor allem feingliedrige Frucht. Deutliche Erdbeere und leichte Bittermandel die am Gaumen verschmelzen. Ein Wein mit viel Frische. Gilt auch für das Auge, Lachsrosa wie es sein muss.
 
Ach der Riesling, ich erinnere mich an die Zeit kurz nach der Lese, als auch Matthias Hey die Sorgenfalten im Gesicht standen. Die Diva forderte den Winzer heraus und der nahm diese Herausforderung an. Ergebnis ein Riesling Gutswein, der nicht so recht ins Saale-Unstrut-Muster passen will, eher ein bisschen Rhein-Mosel-Schiefer. Ein graziler Dinnerwein und Starter für feine Menüabende, den Sie an heißen Tagen lieben werden. Er passt zur Eröffnung der Grillsaison und zum Grillen überhaupt. 
Der Riesling Muschelkalk ist so wie ich mir das vorstelle. Mineralische kräuterige Grundsubstanz im Einklang mit warmen Zitrusaromen, alles in Balance, spritzig, gehaltvoll und sehr süffig.
 
Dass Matthias Hey Rotwein kann ist bekannt. Hin und wieder zaudert er mit sich, aber das gereicht Ihm zur Ehre. Der 2015er Zweigelt, den er als Gutswein auf den Markt bringen wird, ist ein feines Beispiel im Umgang mit dieser Rebe. Komplex, etwas Backpflaume, leichte vanillige Aromen und etwas Brombeere charakterisieren einen feinen Rotwein, der bereits jung getrunken werden darf, aber auch noch Zeit hat, auf das Treffenste.

Und dann noch eine Reminiszenz an eine der liebsten Fernsehsendungen der Deutschen aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren. Die hieß „Zum blauen Bock“ und machte Apfelwein (Äppelwoi)  bekannt.
Matthias Hey hat ein paar Apfelbäume auf dem Areal und machte erstmals Apfelwein. Und ich sage Ihnen, er stellte die Pulle hin (ohne Etikett versteht sich) und grinste mir wie Schelm ins Gesicht, weil ich ja Wein vermutete. Ich sagte: Tut mir leid, ich weiß nicht was das ist. Da freute er sich noch mehr und lüftete das Geheimnis. Ich verspreche Ihnen, Sie werden mit diesem Sommertrunk 8 Vol% ne Menge Spaß haben. Frisch, kein bisschen langweilig und garantiert einzigartig.

 
Der zweite Teilabschnitt im Steinmeister "BIODYN" 

Ja da wäre noch der Pferdemist. Vermutlich das Beste, was Reben passieren kann.
In der ersten Fläche, in der so verfahren wurde, wächst Weißburgunder. Nun auch beim Zweigelt diese Mühe. Der Sinn ist einfach erklärt, der Wein und die Natur rücken näher zusammen. Dem Wein und damit uns Konsumenten tut es gut. 

Rainer Albert Huppenbauer


Ganz links der Apfelwein