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Autor: Stevie Huppenbauer | 26.10.2012 um 11:56 Uhr | 0 Kommentare

Preis - Leistungsverhältnis beim Wein?

Da muß man zuerst mal de Frage stellen, wer leistet was für welchen Preis? Was meint die Gemeinde mit der profanen Bemerkung, hier stimmt der Preis? Denken wir mal nach, und fragen uns wie kommt der Wein zu seinem Preis? Und warum ist der eine Wein teurer als der andere. Zunächst mal ist es ganz einfach. Der Preis setzt sich aus normalen Komponenten zusammen. Genau wie ein Mischbrot.
Dazu gehören zunächst die Kosten des Winzers: Pacht oder Kaufpreis der Weinberge, Löhne für Angestellte, Kellertechnik, Flaschen Etiketten, Verschlüsse, Holzfässer, Marketing, Steuerberater, Steuern, Zahllasten der Berufsgenossenschaft und anderer öffentlicher Einrichtungen wie GEMA und  IHK,  Zinsen für Kredite, Versicherungen, Energie, Wasser und Schädlingsbekämpfung.  Da haben wir noch nicht darüber gesprochen ob eine Erntemaschine die Lese erledigt, oder der Winzer auf allen Vieren den Weinberg hochkrabbelt.
Dann kommt der Transport  zum Händler, auch hier fließt wieder eine Menge an Kosten ein, die auch schon der Winzer an der Backe hat. Dazu kommen Mautgebühren, Kraftfahrzeugsteuer, Benzinkosten etc.
Dann kommt der Händler, wieder die gleichen Kosten wie Miete, Lohnkosten, Energie, öffentliche Kosten, Marketing und so weiter. Dann haben wir einen Preis, aber keiner der Beteiligten hat einen Pfennig verdient. Das kommt natürlich noch drauf. Diese Kosten stecken in jeder Weinflasche egal ob sie 400 € oder 2,90 € kostet. Man fragt sich also, wie geht 2,90 oder überhaupt ein Weinfläschen unter 5 €? Im ersten Preis, also dem vermeintlich teurem Wein, steckt einfach mehr Arbeit.  Dies beginnt im Weinberg bei der Rebpflege, Traubenverschnitt (ein Beispiel soll es verdeutlichen: eine 15 Jahre alte Merlotrebe kann 20 Liter oder 1 Liter Wein erbringen), die Lese per Hand, und eine nochmalige Selektion per Hand der einzelnen Beeren. Die Arbeit setzt sich  im Keller und im Ausbau der Flaschen fort. Ein Barrique aus Allier Eiche kostet nun mal 500 €, die jahrelange Lagerung im Fass und auf der Flasche  erfordert ebenfalls Arbeit, kosten Zinsen und Energie.
Allerdings rechtfertigt dies alles noch immer nicht einen solchen Preis. Es ist ganz einfach,es ist einer der ökonomischen Hebel unserer Wirschaftsordnung, die Nachfrage. Die wiederum wächst nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langfristiger Prozeß in dem Qualität, Stabilität (Lagerfähigkeit), Unterhaltungsfaktor und Marketing sich über einen langen Zeitraum im oberen Limit bewegen.

Bei den Weinen im unteren Preissegment, sollte man davon ausgehen, das so viel wie möglich an Arbeit eingespart wird und große Mengen erzeugt werden. Unter dem Strich bleibt jedoch beiden das Gleiche. 
Ein Beispiel: ein apulisches Weingut erzeugt 2 Millionen Flaschen Wein und verlangt vom Händler 1,80 € und bekommt 3,6 Mio € dafür. Ein klassifiziertes Bordeauxweingut erzeugt 120.000 Flaschen und bekommt vom Händler 30 €, auch das macht 3,6 Mio €. Den ersten finden wir beim Händler für 4,50 € , der Bordeaux kostet 75,00 €.
Nun die Frage, welcher Wein ist der preiswertere? Bestenfalls hier sollte man Anfangen mit Nachdenken.
Die Frage nach dem Geschmack des Wein begehrenden Individuums kann bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt werden. Das kommt später!

Tags: Preis und Leistung, Nachfrage, Bordeaux, Apulien
Autor: Stevie Huppenbauer | 24.10.2012 um 11:25 Uhr | 0 Kommentare

Die Weine der Maremma

Die Maremma, war ein versumpfter Küstensreifen von Orbetello bis Cecina, südlich von Livorno. Bereits im 18 Jh. wurde mit der Trockenlegung der Sümpfe, wegen der immer wiederkehrenden Malariaepidemien, begonnen. Vollendet wurde das Werk jedoch erst in den 1930 -er Jahren. Noch heute sind die damals gebauten Kanäle sichtbar und notwendig.



Entstanden ist eine der fruchtbarsten Regionen Europas. Reativ spät, erst am Beginn der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts setzte der eigentliche Boom ein. Der Grund ist relativ einfach, es war der anhaltende Erfolg des Weingutes Sassicaia.  Es darauf jedoch zu beschränken ist zu einfach. Viele Komponenten, vorallem die Entdeckung als Urlaubsziel, das milde Klima und das den Weinbau begünstigende Terroir waren ausschlaggebend. Im wesentlichen existieren heute drei Zonen des Weinbaus in denen sich alle großen Weinerzeuger Italiens und  namhafte Industrielle dem Weinanbau widmen. Im Norden die Zone mit  Bolgheri/Bibbona. In der Mitte die Gegend um Massa Maritima und im Süden rund um Grosseto und Scansano. Die Zone sind gleichbedeutend mit DOC Gebieten. Durch den Weinbau wurden unglaubliche Investitionen vollzogen, so dass man heute mit Fug und Recht von einer der modernsten Weinbaugebiete der Welt sprechen kann. Besonders die Familie Antinori hat hier mit Guado al Tasso, Ornellaia und  Biserno in Bolgheri und Bibbona, mit Grillesino in Scansano, Le Mortelle in Castiglione della Pesicaia und Fattoria Aldobrandesca südlich von Grosseto Masstäbe gesetzt.. Zu den Pionieren des Weinbaus in der Maremma muss man aber auch unbedingt die Familie Moris zählen. Lange bevor andere die fantastischen Möglichkeiten erahnten, erzeugte Morisfarms bereits großartige Weine, die heute weltbekannt sind.
Von den vertretenen Industriellen seien die  Mailänder Familie  Sada und der in den schweizer Bertarelli Clan eingeheiratete Sizilianer Claudio Tipa genannt. Sada betreibt das Nachbarweingut von Lodovico Antinori und feiert ebenfalls mit Cabernet Franc große Erfolge. Außerdem erwähnenswert ist sein unglaublicher Vermentino aus der Gegend um Casale Marittimo. Tipa erschuf das Weingut Colle Massari und produziert auf extrem hohen Niveau  Bioweine.

Tags: Bolgheri. Massa marittima, Le Mortelle, Antinori, Ornellaia, Guado al Tasso, Sassicaia, Morisfarms, Sada, Cabernet Franc,
Autor: Stevie Huppenbauer | 19.10.2012 um 11:24 Uhr | 0 Kommentare

Lodovico Antinori und Mozart

Am gestrigen Tag erhielt ich Besuch von Eva Horakova vom Weingut Biserno. Ich möchte dies zum Anlaß nehmen, ein paar Gedanken über ihren "Chef", Marchese Lodovico Antinori los zu werden.  Über den Mann an sich, ist beinahe alles gesagt und doch hat er immer wieder Überraschungen zu bieten. Seine Jüngste, ist die Auferstehung von Biserno, eine Perle in einer grandiosen Reihe von Erfolgen. 
Dieser Mann und seine Weine sind für mich immer etwas Besonderes. Seine Weine verstahlen diesen Glanz wie es nur wenige Dinge tun, die man im Leben kennenlernt. Man kann den Reiz oft nicht einmal erklären, aber für mich war Ornellaia mit seinen Weinen immer wichtiger als Sassicaia. Fragen Sie mich nicht warum. Vermutlich hängt es mit der Person Antinori zusammen. Das ist wie mit  Mozart, für die meisten Menschen gibt es nur die "Zauberflöte", für mich ist es "Die Entführung aus dem Serail". Keine Oper Mozarts erreichte eine so emotionale Tiefe wie eben der Serail. Und genau so ist es mit vielen anderen Dingen, das "White Album" der Beatles, "The Last Walz" von the Band, der Steppenwolf von Hesse, der Pate oder Kalbskopf mit Hummer aus der Auberge de I`ill. Natürlich ist die Liste unvollständig, aber genau hierhin gehört das Werk von Lodovico Antinori.

Für uns von Vinamundi.de ist er einer der besten Weinmacher weltweit die einen Stil von Weinen kreiert haben, der zum Masstab und Synonym für Verlässlichkeit, Qualität und Unterhaltung geworden ist. Der zugleich anerkannteste und umstrittenste Weinkritiker Robert Parker, hat seinen Geschmack nach diesen Weinen ausgebildet. Zu keiner Zeit war es umgekehrt. Viele Winzer, auch aus der eigenen Familie, folgten diesen Wegen. Im Unterschied zu  seinem Bruder, hat er niemals Wein für die breite Masse gemacht, aber mit seinem Gefühl und seinem Genius hat er genau diese Weine  beeinflußt.
Sie sollten die Biserno Weine Insoglio de Cinghaile, Il Pino di BisernoBiserno IGT und die Weine von Mount Nelson genau so  genießen wie eine Mozartoper oder ein Bob Dylan Konzert. Wer will beides schon den ganzen Tag.
Danke für den Besuch Eva.



 

Tags: Lodovico Antinori, Ornellaia, Biserno, Mount Nelson, Mozart, Beatles, Hermann Hesse, Bob Dylan
Autor: Stevie Huppenbauer | 17.10.2012 um 19:44 Uhr | 0 Kommentare

San Sisto - Verdicchio dei Castelli di Jesi DOC Classico Riserva, Verkostungsnotiz

Die Marken sind erst seit kurzer Zeit in den Fokus deutscher Weinliebhaber geraten. Die Eroberung Norditaliens und der Toskana scheint dem Ende zu zu gehen. Natürlich der echte Kenner wußte es schon immer, dort an der Adria  gedeihen treffliche Weine. Seit sich nun aber die Tourismuswege , wenn auch langsam, aus der Toskana über Umbrien in die Marken verlagern, erfährt auch der unerfahrene Freund italienischer Weine, dass Verdicchio keine grammatikalische Bezeichnung sondern ein ausgezeichneter Wein aus gleichnamiger Rebe ist. Wir verkosteten heute den San Sisto, ein 12 Monate in Barriques  ausgebauter Weißwein, aus der Lage Castelli di Jesi. 
Der Jahrgang 2008 präsentierte sich frisch und homogen. Das Holz fand sich in feinen Vanille und Erdnusnoten wieder. Es war präsent aber überforderte den Gaumen nicht. Kräuter und frische gelbe Obstnoten runden den Wein ab. Den letzten Schluck habe ich vor 1 Stunde getrunken und ich schmecke den Wein noch immer. Wichtig erscheint dabei, den Wein nicht zu kalt zu trinken.  Der Hinweis auf der Flasche 12-14°C ist empfehlenswert. Der Wein ist absolut sein Geld wert. Großes Kino von Fazi Battaglia.

Tags: San Sisto, Fazi Battaglia, Marken, Umbrien, Verdicchio, Toskana
Autor: Stevie Huppenbauer | 15.10.2012 um 13:34 Uhr | 0 Kommentare

Grüne an die Macht - Wein für Schulkinder?

Also entweder habe ich mich verhört, oder ein lang ersehnter Traum wird wahr. Im derzeit noch geheimen Wahlpapier der Grünen soll stehen, man denke im Fall eines deutlichen Wahlsieges darüber nach, Schulkindern ab der 5 Klasse täglich 0,2l deutschen Rotweins kostenlos zu verabreichen. Der Sinn dieser Maßnahme begünde sich wie folgt: 1. bessere Ergebnisse bei den Pisa Studien mit dem Verweis auf Baden Würtemberg, wo erste erfolgreiche Versuche bei Sechstklässlern vorgenommen wurden. 2. Ankurbelung der deutschen Rotweinproduktion als Konjunkturmotor durch die  Schaffung von Arbeitsplätzen. 3. Verseuchte Schulspeisung kann durch die Reichung  tanninreicher  Weine besser verdaut werden. 4. Senkung von Heizkosten ( die Kinder frieren nicht so leicht),  damit Schonung natürlicher Ressourcen. 5. Alle Kids sind immer gut drauf,  so können aus dem Ruder laufende Facebookpartys verhindert werden.
Es folgen im Strategiepapier noch weitere 5 Punkte die aber unser Informant nicht lesen konnte, da sie verdekt waren. Für uns als Händler ist dieser Schritt ohnehin längst fällig gewesen von daher untestützen wir die Bemühungen der Grünen ohne Vorbehalt. Die "Wein für Alle Wahlen"  im nächsten Jahr werden zeigen, ob mein Traum von gestern wahr wird.

Tags: Wein für alle, Rotwein Tannine, Baden Würtemberg, Grüne