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Autor: Stevie Huppenbauer | 19.07.2012 um 14:19 Uhr | 0 Kommentare

Poderi Boscarelli Vino Nobile di Montepulciano 2007, Verkostungsnotitz

Wenn man die Leute kennt, die diesen Wein erzeugen ist es schwer objektiv zu bleiben. Also man lädt sich Gäste ein, die keinen Bezug zur Familie de Ferrari - Besitzer der Poderi Boscarelli - haben.

Der Jahrgang 2007 hatte einen warmen Sommer mit wenig Niederschlägen, so dass sich einige Winzer entschlossen etwas früher zu lesen. Bei Boscarelli blieb alles beim Alten.  Die Sangiovese war prächtig und somit ein solider Grundstein für einen langlebigen Wein gelegt. Die Beratung durch Maurizio Castelli zahlt sich im Wein aus.

Die Farbe ein tiefes rot mit feinen violetten Splittern. Am Glasrand noch extrem jugendlich. Der Rotwein benötigt dann etwa 30 Minuten im Glas und entfaltet feinste Düfte von Lavendel, Kräutern, Kakao und schwarzen Beeren und dunklen süßen Kirschen. 

Der 3. Genuß dann oppulent aber nicht erschlagend, Fruchtigkeit nach schwarzen Kirschen und Johannisbeeren. Langer seidiger Abgang, je länger im Glas, um so mehr Genuß. Die Tannine sind spürbar und verleihen dem Wein eine großartige Eleganz. Trocken, in der vorderen Mundhälfte dieses wunderbare Gefühl der Tannine zu erleben. Dann samtig und seidig am Schluß.  Der Wein wird am Ende dieses Jahrzehnts seinen Höhepunkt erreichen. Aber auch heute ist dieser Vino Nobile di Montepulciano einer der, wenn nicht der Beste seines Jahrgangs aus Montepulciano. 

Tags: Rotwein, Boscarelli, Sangiovese, Vino Nobile di Montepulciano, de Ferrari
Autor: Stevie Huppenbauer | 12.07.2012 um 20:43 Uhr | 0 Kommentare

Frank Böhme hat es einfach drauf, Traminer Auslese trocken und kein bischen langweilig

Hin und wieder lasse ich mich gehen und verfalle dem bloßem Geschmack. Heute war es wieder so weit und ich dachte so bei mir, fruchtig, cremig, trocken wäre nicht schlecht. Und es ist immer wieder wunderbar, einen Wein nach einer gewissen Zeit wieder zu trinken. Diesmal 2011 Traminer Auslese trocken vom Gleinaer Weingut Frank Böhme  (Saale Unstrut).  Der Wein beinah nicht wieder zu erkennen nach nur ein paar Monaten auf der Flasche. Trocken, nicht bissig, cremig beschreibt es wohl am besten. Im Glas von wunderbarer Klarheit und güldener Farblichkeit. In der Nase nicht zu üppig, anfangs sogar etwas zurückhaltend, dann aber feine florale Noten und gelbes Obst. Im Mund dann eine Offenbarung, lang anhaltendes gelbes Steinobst mit leichter Dominanz von überreifen Birnen und etwas Honig. Ich frage mich immer wie die Brüder, die solche Weine zaubern es hin bekommen, den Eindruck der unendlichen Süße so rüber zu bringen. Großes Kino lieber Frank. Danke für den Wein.

Genießen Sie diesen Tropfen in zwei Stufen, am Beginn nicht zu kühl, 14°C, dann ins Eis und 3-4°C auf 10 Grad runter. Macht unglaublichen Spaß. Beim Essen passt in Salzbutter blanchiertes Gemüse.          

Tags: Saale Unstrut, Gleinaer Weingut Böhme, Traminer Auslese trocken 2011
Autor: Stevie Huppenbauer | 09.07.2012 um 15:57 Uhr | 0 Kommentare

Weinirrtümer, die Zweite: Die Trinktemperatur

Die Trinktemperatur

Wir alle haben es schon unzählige Male erlebt, Rotwein zu warm, Weißwein zu kalt oder zu warm. Na was denn nun. Das größte Problem aus meiner Sicht, sind zu warme Rotweine. Die Überlieferung der sich hartnäckig haltenden Zimmertemperatur, als ideale Rotweingenußtemperatur von mal 16°C auf nunmehr 21°C.  Offensichtlich haben immer mehr Erzeuger davon Wind bekommen und geben auf der Rückseite Empfehlungen. Wir möchten das nun auch tun und empfehlen folgendes:

Rotweine: jung zu trinkende Rotweine die nicht im Barriques ausgebaut wurden etwa  Vin du Pays aus Frankreich, einfache Tempranillo, einfache auf Sangiovese Basis beruhende Weine wie Chianti, Weine aus Venetien, etwa Bardolino oder Valpolicella und einfache leichte Bordeaux AOC 15-16 °C hier unserer Empfehlung. Auch ungefilterte Weine, kommen gerade etwas in Mode, fallen in diese Spektrum.

Rotweine mit Charakter: der höchste Genuß zwischen 16 und 18°C, Da machen Sie nichts verkehrt. Orientieren Sie sich am Alkohol, mehr Alkohol, Tendenz  zu 16°C weniger zu 18°C. Orientieren Sie sich am Jahrgang, der Ältere zu 18°C der jüngere zu 16°C. Orientieren Sie sich am Preis, der günstiger kühler, der Teure wärmer. Finden Sie aus diesen 3 Kathegorien das Mittel und Sie machen nichts verkehrt.

Ein Beispiel: Klassifizierter Bordeaux Medoc 6-8 Jahre alt, 13,0%, 60€  immer 16°C, klassifizierter Bordeaux Medoc 15 Jahre alt 13,5% 240€ zwischen 17und 18°C.

Nicht ganz so kompliziert bei Weißweinen möchte man meinen. Aber gerade hier sind die Irrtümer noch größer. Wir sprechen hier nicht von durstlöschenden Geträken, sondern von Weingenuß.

Einfache Weißweine haben die besten Aussichten zu schmecken, wenn sie die 10-12° C nicht überschreiten. Partyweine aus der Box oder der Großflasche gerne kühler, 8°C sind eine gute Empfehlung. 

Klassifizierte Weine, etwa Spätlesen, Weine aus dem Barrique,  die wunderbaren Großen Gewächse aus deutschen Landen oder Österreich 12°C,

Chardonnay und Sauvignon aus dem Barrique und Übersee 12-13°C. Sie wollen etwas von den Aromen, nichts vom Wasser wissen. Gleiches gilt für Weine aus dem Burgund im Preissegment über  25€.

Wie bei allen Regeln gilt auch hier es muß für Sie passen, wir können nur empfehlen.

Tags: Chardonnay, Zimmertempertur, Sauvignon, Großes Gewächs, Barriques, Klassifizierte Weine
Autor: Stevie Huppenbauer | 07.07.2012 um 20:51 Uhr | 0 Kommentare

Wein und seine Irrtümer

Man kann nicht genau sagen, warum es so viele Weinirrtümer gibt, Fakt ist aber, sie halten sich harnäckig und kommen in waren Flutwellen auf Händler und Gastronomen zu. Meiner Meinung nach entstehen diese Irrtümer dort, wo unwissende über Wein palavern, weil sie etwas verkaufen wollen. Und das sind genau die besonderen Exemplare der zuvor genannten Berufsgruppen. Natürlich, der überwiegende Teil der Händler und Gastronomen ist unschuldig und muss es ausbaden. Aber so ist es nun mal, ein klitze kleiner Gallenröhrling in einer Mahlzeit aus wunderbaren jungen Steinpilzen, macht das Essen einfach ungeneißbar. Da auch wir täglich mit Unmengen von Vorurteilen, Halbwahrheiten und Dummheiten aus allen Richtungen in Zusammenhang mit Wein konfrontiert werden, starten wir im Blog eine kleine Aufklärungsserie.

Unwarheit Nummer 1: 

Der Jahrgang entscheidet alles. Ich sage Ihnen, die Warheit und Unwarheit steckt hier im Detail. Man muß sich schon die Mühe machen und es einfach nur zu differenzieren. Ein bischen Dialektik hilft auch. Zunächst sei gesagt, der Jahrgang ist zunächst eine Zahl und die entscheidet sowieso nichts. Enscheidend ist, wie präsentierte sich das Jahr, wie war es mit Niederschlag und Sonnenstunden? Kam der Regen als er von den Reben gebraucht wurde, wann schien denn die Sonne im Winter und Frühjahr oder im Herbst? Diese und andere Faktoren bestimmen einen Jahrgang, sie sagen aber nichts über die Qualität eines Weines aus. Da ist nämlich noch der Winzer, der kann schon ein bischen nachhelfen. Sonne aus dem Sack heißt es da so schön, gemeint ist der Zuckersack und es ist sogar in den meisten Ländern erlaubt. Also, Sie merken schon unmengen von Faktoren, die zu beurteilen unglaublich komplex ist. Dann ist zu beachten, das es Gegenden auf unserer Erde gibt, die ein relativ konstantes Klima ohne bedeutende Schwankungen haben. Beispiele: Weine aus Mendoza in Argentinien ,  Süditalien oder aus Südspanien. Kaum Klimaschwankungen, Wüstenbedingungen mit wenig oder gar kein Regen, lassen Weine mit immer der gleichen Qualität zu, wenn der Winzer seine Sache ernst nimmt. Große Erzeuger mit der Möglichkeit auf verschiedene Lagen eines Gebietes zurück zu greifen, erzeugen meist konstanten gleich schmeckenden Wein, egal welcher Jahrgang. Dies trifft auch auf große Weine aus dem Bordeaux zu. Die Unterschiede  zeigen sich oftmals nur in der Lagerfähigkeit.

Wir beobachten, genau wie andere Händler auch, dass ein Jahrgang über den in der Fachpresse positiv gesprochen wird, wie zum Beispiel über den 2009 Bordeaux, dass diese Wahrheit auf alle Weine weltweit transferiert wird. Plötzlich wollen alle nur noch 2009, egal wo er herkommt und in welchen Mengen er produziert wird. Es ist doch vollkommen einleuchtend, dass ein Wein  der auf der ganzen Welt getrunken wird, nehmen wir mal Rothschild Weine von Torres oder Antinori, hier erwartet der geschätzte Weingenießer weltweit eigentlich immer höchste Qualität und er bekommt sie. Der Jahrgang spielt eigentlich nur bei den Topgewächsen eine Rolle und die sind eh sofort alle. Die Massenweine, die millionenfach abgefüllt und verkauft werden sind fast immer (99%) gleich. Sich hier auf einen Jahrgang fest zu legen, macht einfach keinen Sinn.  Wie nun damit umgehen. Wir trinken Wein in Punkto Jahrgang nach folgender Regel:

Jeder Tag Wein bis 8 €: bei Roten junge Weine  1-3 Jahre alt (Südfrankreich, Norditalien, Bordeaux AOC, La Mancha, Rioja, Apulien, Sardinien) bei Weißweinen jung, 1-2 Jahre alt (Deutschland, Süd Frankreich, Spanien am Meer, Portugal, Nord Italien, Umbrien, Apulien, Mallorca) . Bei Rosé mit ganz wenigen Ausnahmen so jung wie möglich, immer aktueller Jahrgang. Der Jahrgang dient nur als Orientierung.

Schon mal was Besonderes bis 20€ :  bei Roten  genußreife Weine  4-10 Jahre alt ( Riservas aus Spanien, Australien, Toskana, Sizilien, Piemont, Bordeaux Cru Bourgeois, Kalifornien)   Bei Weißweinen 2-6 Jahre alt (Burgund Ortsweine, Friaul, allgemein Weißweine die im Barrique ausgebaut werden)

Ich habe es in den Vorstand der Deutschen Bank geschafft, oder silberne Hochzeit, oder Wein für das Kind 2010 geboren,  wenn es Zwanzig wird, oder was Sie wollen. Natürlich auch eine schöne Erinnerung.
Jetzt spielt erstmals  die Zahl auf dem Etiket eine Rolle, 45 Mouton oder Petrus für den Bankvorstand. Für die Silberhochzeit: 87er Ornellaia aus der Doppelmagnum soll noch gut sein. Fürs Kind  käme je nach Brieftasche durchaus ein 2010 Bordeaux in Frage. Wir empfehlen da er ja 20 Jahre halten soll, Château Vieux Mazerat Saint Emilion Crand Cru, zwar auch über die Hundert, aber die Alternativen deutlich über 400 pro Flasche versteht sich.

Also, nochmals zum mitschreiben, Jahrgangsangaben sind hilfreich und im Zusammnehang mit einem hohen Preis noch hilfreicher. Wenn man einfach nur Wein trinken möchte, hat der Jahrgang eine beratende Funktion die uns sagt ob der Wein noch genießbar ist. Und da liegt der Hase im Pfeffer, woher soll ein Konsument das wissen. Bleibt nur einen zu fragen, der sich damit auskennt. Zum Beispiel uns.


Autor: Stevie Huppenbauer | 06.07.2012 um 13:41 Uhr | 0 Kommentare

Weinerlebnis, 2006 er Grauer Burgunder Trockenbeerenauslese vom Weingut Pawis

Es gibt so Tage im Leben, da braucht man einfach am Abend etwas Gutes auf der Zunge. Gestern war so ein Tag. Die Suche nach diesem Genußbereiter gestaltete sich  ob der großen Auswahl schwierig. Da fiel im Halbdunkel des Kellers mein Blick auf eine eher unscheinbare kleine Flasche. Staub beiseite gewischt und gedacht, na mal sehen. Was dann ins Glas kam war so unglaublich, dass ich Bernard Pawis anrief,  ob er sich mit der Rebsorte nicht vertan hatte. Dieser sagte: "nein, der war so dicht und dickflüssig". Eine kleine Besprechung begann, ich bedankte mich im Stil  der Rolling Stones, ohne es zu singen. Danke für den Wein Bernard, und trank die Pulle aus. Da, wie Bernard Pawis sagte, nur 90 kg Leesegut verfügbar waren, werde ich diesen Geschmack wohl kompensieren müssen.

Der Wein nun dunkel und doch am Rand noch jugendlich mit schimmernden rotbraunen Reflexen. Ölig. Der Nase boten sich Rosinen und Bitterschokolade ebenso wie Backpflaumen. 

Geschmacklich dann eine Offenbarung, perfekte Balance zwischen Süße und  Säure. Natürlich Zucker, aber dennoch gefühlt trocken. Zu den Rosinen gesellten sich getrocknete schwarze Beeren und hochprozentiger Kakao.  Ich versuchte dann zu vergleichen und näherte mich an Nectar, einen Sherry von Gonzales Byass. Es trifft es aber nur zum Teil, der Pawis Grauburgunder wirkte wesentlich eleganter, fruchtiger, filigraner und  vielschichtiger.

Jetzt wo ich das schreibe, könnte ich mich schwarz ärgern, dass es die einzige und letzte Flasche war.  Ich nehme diese kleine Flasche in meine Sammlung auf. Der Name der Sammlung lautet:: Weine die man getruken haben sollte, bevor man abtritt.   Unter dieser Rubrik werden wir in der nächsten Zeit die eine oder andere Besprechung veröffentlichen. 

Tags: Bernard Pawis, Grauburgunder Trockenbeerenauslese, Rolling Stones, Bitterschokolade, Backpflaumen, Rosinen, Gonzalas Byass