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Autor: Stevie Huppenbauer | 12.03.2016 um 20:46 Uhr | 0 Kommentare

Winzerweine im Angebot

Man sollte sich ja nicht über Mitbewerber direkt äußern, aber manchmal überkommt es einen doch. Neulich habe ich sogar bei Herrn Kössler, für mich einer der solidesten Weinhändler Deutschlands, wenn auch mit prominenter Unterstützung der "Zahnstocher" Marktführer, so etwas wie: Na so geht das aber nicht gelesen. Es ging um Reinhard Löwenstein und sein Auftritt als Winzer bei Vicampo. Im Grunde ist es ja wirklich jedem seine Sache, wenn aber ein Weinhändler damit wirbt, das er Winzerweine verkauft, dann sollte man mal was sagen. Vermutlich hebt die Bezeichnung Winzerweine darauf ab, dass es ja auch industriell hergestellte Weine gibt (freundlich interprätiert). Dennoch ist es demagogischer Scheiß und zwar derselbe, wie ihn bestimmte Parteien im Wahlkampf benutzen: Deutsche zuerst! Der Ductus ist der gleiche. Nur Winzer machen Wein, zumindest geht man davon aus. Der Begriff Winzerwein ist Klamauk. Bezweckt wird den Unwissenden vorzugaugeln, wir haben das, die anderen nicht. Es ist ein verdammter Blödsinn, der, wenn die Winzer die da mitmachen,  erkennen worauf es hinausläuft, sich wieder dem ehrlichen Geschäft zuwenden, wie eine Seifenblase zerplatzt. Ich bin bereit darauf zu wetten.
Jemand hat mal zu mir gesagt: "Wissen Sie was das einfachste auf der Welt ist? Vor dem Kölner Dom 100 Euro hochzuhalten die mir nicht gehören und zu rufen, wer verkauft mir was?" 
 
Rainer Albert Huppenbauer   

Autor: Stevie Huppenbauer | 31.01.2016 um 13:21 Uhr | 0 Kommentare

Naturwein - der Schluß

Im Grunde ist es so, dass das Motto: "Jeder nach seinem Gusto oder seiner Fasson" auch auf Orange Wines zutrifft. Und nur damit ich nicht falsch verstanden werde, möchte ich klarstellen, dass mir egal ist, was der Einzelne so in sich reinschüttet. Das ist und bleibt jendem seine Sache.  Wenn aber wie aus dem Nichts, ein selbsternannter avantgardistischer Mob keinen Zweifel daran lässt, dass "Narurwein" oder "Orange Wines" das Einzige ist, was eine Daseinsberechtigung besitzt, sollte man sich zu Wort melden.
Ich habe nichts gegen folgende Dinge: Spontane Vergärung mit reb- und kellereignen Hefestämmen, biologischen Weinanbau ohne den Einsatz von künstlichem Dünger und Pestizieden, unfiltrierte Weine, Weinausbau in Tongefäßen, ich bin für möglichst wenige Fremdeinflüsse (Zucker, Schwefel, Gelantine usw.), ich mag Winzer in Holzpantoffeln. Ich trinke gern gealterte Weine.
Was ich nicht mag sind Weine oder weinähnliche Getränke, die aus nur einem einzigen Grund gemacht werden, eine Zielgruppe zu bedienen. Im Fall von "Naturweinen" sind es Menschen die nicht tollerieren, das man diese Art von Wein eventuell nicht mag. Gegen das Produkt an sich, wenn auch der Name falsch gewählt ist, denn "Naturwein" gibt es nicht, habe ich nichts. Das ist jedem seine Sache. Das Erstaunliche an diesem derzeitigen Hype ist, dass er plötzlich in aller Munde ist. Gegeben hat es diese Art Wein zu bereiten schon immer. Jetzt aber hat es den Handel und damit die Gelddruckmaschine erreicht. Die Presse, Veranstalter von Weinmessen, große und kleine Weinhändler springen auf den fahrenden Zug auf und lassen uns wissen, was Sache ist. Manfred Klimek, wer hätte das gedacht, zunächst dagegen, dann aber doch bei ausgewählten Erzeugern dafür, lässt uns wissen, was wir trinken sollen: "Wenn schon, dann nehmen Sie doch den". Ein Schelm wer dabei daran denkt, dass das ohne Knete abgeht.
Irgendwann ist das wieder vorbei, jeder der wollte hat seinen Schnitt gemacht. Orange Wines wird es auch in zwanzig Jahren noch geben, darüber berichten wird wohl niemand mehr. Es wird so sein, wie es vor zehn Jahren war, ein experimentierfreudiger Winzer hat einen Wein ohne, oder mit nur geringen Eingriffen, in Flaschen gefüllt. Interessant, oder? Denken Sie jetzt auch an den Reissack in China.

Rainer Albert Huppenbauer   
Autor: Stevie Huppenbauer | 31.01.2016 um 10:18 Uhr | 0 Kommentare

Andre Gussek beim Rebschnitt im Kaatschener Dachsberg

Es ist Samstag der 30.01.2016, ein heftiger Wind bringt Luft vom Atlantik an die Saale. Bei derlei Winden herrschen für Fotografien ausgezeichnete Lichtverhältnisse, das führte mich an die Saale, ins thüringsche Kaatschen. Ich wollte zum Kaatschener Dachsberg, um ein paar Fotos zu machen. Dabei traf ich Andre Gussek, der gerade im terrassierten Teil der Lage, die Rieslingreben in Form brachte. Der heftige Wind und sein bester Freund im brauner Fell, verhinderten zunächst die Kommunikation. Der Hund wurde in die Hütte verbracht und ich konnte den Berg erklimmen. Und in der Tat, es war so wie ich es mir vorgestellt hatte, Luft wie am Antlantik, klar und scharf. Der Kaatschener Dachsberg befindet sich in Thüringen, an der Grenze zum "Land der Frühaufsteher", wie Sachsen-Anhalt fataler Weise genannt wird. Der Berg ist in einem kleinen Teil terrassiert und ein wirkliches Schmuckstück. Andre Gussek bewirtschaftet diesen Teil des Dachsberges allein. Er liegt ca. 1km außerhalb von Kaatschen in östlicher Richtung. Mit dem Zug kann man bis Großheringen fahren, bei Mitnahme eines Fahrrad`s ist es ganz praktisch, um nach Kaatschen zu gelangen. Es geht aber auch zu Fuß. In einschlägigen Wanderkarten ist der Weg beschrieben. Ich war allerdings mit dem PKW unterwegs, da ich auch noch andere Weinberge besucht habe, war das einfach praktischer. Ein kleines Gespräch mit Andre Gussek war auch drin, er hat mir sein Geheimnis verraten, wie er es bei dem starken Wind in luftiger Höhe aushält (siehe Foto). 


 
Alles in allem merkt man Andre Gussek an, dass er diesen Berg besonders in seine Winzerseele eingeschlossen hat. Manchmal denke ich, bestimmt gibt er jeder Rebe die dort steht einen Namen. Natürlich macht er das nicht, aber irgendwie hat man den Eindruck, dass er die Reben dieses Weinberges ein bischen mehr "verhätschelt". Und in der Tat ist es so, dass die dort entstehende Qualität es auch verdient.  


Andre Gussek, standfest

atlantische Luft in Kaatschen


Andre Gussek hoch über der Saale

 
   
Tags: Winzerhof Gussek
Autor: Stevie Huppenbauer | 28.01.2016 um 19:47 Uhr | 0 Kommentare

Naturwein: Keine Antworten nur Fragen.

Da ich in den letzten Tagen jede Menge anonyme Meinungsäußerungen erhalten habe, möchte ich  ein wenig nachlegen.
Diesen Newsletter habe ich am 28.01.2016 erhalten:

"Ende November fand in Berlin die Weinmesse RAW statt. RAW heißt übersetzt ja »rau« oder »unbearbeitet« und genau solche Weine wurden dort präsentiert. Es gibt heute viele Begriffe, für diese Art Wein zu machen. Manche sprechen von Naturwein, purem Wein, lebendigem Wein, raw wine oder vin naturel. Fest steht, es geht um Weine mit minimaler Intervention, die so natürlich wie möglich im Weinberg und im Keller entstehen. Fest steht auch, dass diese Weine gerade sehr populär werden. Sie werden spontan mit wilden Hefen vergoren, normalerweise nicht filtriert, kaum oder gar nicht geschwefelt und auch sonst wird nichts hinzugefügt, was den ursprünglichen Geschmack verändern würde. Viele der Winzer experimentieren damit, weiße Trauben länger auf der Maische zu belassen um Weißweine zu erhalten, die ähnlich viele Gerbstoffe beinhalten wie Rotweine. Diese Weine werden auf Grund ihrer Farbe dann meist Orange-Weine genannt. Andere bauen ihre Weine in Amphoren aus, was die älteste Form des Weinmachens ist. Es gibt also eine große Bandbreite unterschiedlichster Ausbauarten, doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit: Anders zu sein, natürlich zu sein und etwas mehr Ecken und Kanten zu bieten. 
Wir haben so manchen Wein bei der RAW neu entdeckt, andere hatten wir schon im Programm. Heute bieten wir Dir alle diese Weine wie den Little Buteo und Flora von Michael Gindl aus dem österreichischen Weinviertel, Les Escures und La Roque von Fabien Jouves aus dem Cahors und den Merlot von Roche Audran. Mit den Paketen kannst Du am besten selbst erfahren, was Naturweine eigentlich sind: Weine mit unverfälschtem Charakter."

Dieser Text spricht Bände und im Grunde gibt mir dieser Weinhändler recht. So ganz genau weiß auch er nicht, was denn das nun eigentlich ist. Naturwein, ja, der eine macht es so der andere macht es so. Ganz wichtig, spontane Vergärung mit wilden Hefen. Hat ja auch noch niemand gemacht. Mal erhrlich zwei Drittel der ernstzunehmenden deutschen Winzer machen das seit Jahren so. Nicht filtern, steht schon unter "normalerweise".  Aber auch das wird, ich behaupte mal, seit Jahrzehnten vorallem mit Spätburgundern, weltweit von vielen Winzern gemacht. Kaum oder gar nicht geschwefelt, na was denn nun?
Also um es kurz zu machen, jeder macht was er will und alle machen mit.
Händler die sich noch vor Jahren über spontan vergorene Rieslinge von Reinhard Löwenstein lustig gemacht haben, entdecken den neuen Menschen, äh Wein. Wie soll er sein? Anders sagt man, aber so der Händler weiter: "Fest steht auch, diese Weine sind gerade sehr populär." Und nun soll ich kaufen. Ja Freunde, das ist die Quintessenz. Die Berliner Macher der RAW lachen sich einen Ast. Fehltöne in den Weinen werden mit den Begriffen wie anders sein und Ecken und Kanten abgetan. Wer es nicht glaubt ist ein Depp. Dann setzt der Gruppenzwang ein, wer will schon als Depp dastehen und die Weinbranche schreit befreit auf. Ein bischen erinnert mich das an steinewerfende Jusos in den Sechzigern, die heute ihre Staatsrente in der Toskana durchbringen. An Beispielen mangelt es nicht. Also Freunde mein Fazit: Ich bin ein Depp. Im Übrigen, trinke ich auch keinen Federweisen egal wo her, Beaujolais Primeur, den es als Novello oder "Spring Harvest Wine" das ganze Jahr über gibt, kann mir gestohlen bleiben, ich verzichte auf alles was im Trend zu sein scheint aus nur einem einzigen Grund - es schmeckt und gefällt mir nicht. Da kann ich machen was ich will und etwas schönreden, nur weil ich zu den ganz Schlauen dazu gehören möchte , ist wider meiner Natur.           
Rainer Albert Huppenbauer

PS und wer seinen Namen sagt und eine e-mail Adresse angibt, dessen Kommentar wird auch veröffentlicht. Maskiert sein ist out, auch im Netz. Zumindest in meinem.


 
Autor: Stevie Huppenbauer | 22.01.2016 um 19:44 Uhr | 0 Kommentare

Naturweine, ein Widerspruch in sich!

Eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht äußern, aber wenn ich denn schon danach gefragt werde, was ich davon halte, dann will ich das weinigstens beantworten. Gar nichts, ist die Antwort. Das wiederum kann man allein so nicht stehen lassen und schon bin ich mitten drin. Naturwein an sich gibt es nicht. Von daher ist die Wortwahl definitiv irreführend. Wein ist und bleibt ein Produkt der Zivilisation, denn die Rebe hat nicht das Ziel zu Wein zu werden. Ihr Ziel ist die Fortpflanzung. Diesen Urtrieb macht sich der Mensch zu nutze. Die Reben werden kultiviert, Rebgärten anlegt und gepflegt. Es ist der gleiche Vorgang wie bei Weizen oder Mais.  Die Früchte der Rebe, ihre Trauben, werden auspresst, der gewonnene Most wird vergoren und als Wein in Flaschen gefüllt. Ja ich weiß, das klingt trivial, aber so ist es nunmal. Im Keller greift der Mensch ebenfalls ein, um aus dem Most Wein zu machen. Da ändert sich nichts dran, auch wenn das die Heerscharen der unsäglichen Spinner und Weintrend jagende Metropolenbewohner Berlins, so nicht wahrhaben wollen.
Nehmen wir den europäischen Weinbau, von den Naturreben ist nichts mehr übrig, da der gesamte Weinbau des old Europe auf reblausresistenten Stecklingen aus Amerika basiert. Und wer will bitte behaupten, dass das die Rebe allein gemacht hat. Unzählige neue Rebsorten sind durch das Eingreifen des Menschen entstanden. Auch diese Reben, so kann man beobachten, werden für den so genannten Naturwein verwendet.   
Eine Definition was Naturwein denn nun sein soll gibt es auch, aber die ist so schwammig, das es nicht lohnt, sie weiter unter die Lupe zu nehmen. Viele der dort geforderten Bestimmungen können sein, müssen aber nicht. Nur in der Hardcore Variante soll der Winzer auf Schwefeln verzichten und den Wein in Betoneiern oder Amphoren in der Erde vergraben. Was in den meisten Fällen herauskommt ist ungenießbare Brühe. Und da "Naturwein" noch nicht avantgardistisch genug ist, verwendet die Fanbrigade die Bezeichnung Orange Wines. Der kann aber auch weiß sein, völlig Wurst. Für mich ist diese ganze Bewegung nicht im Geringsten fortschrittlich sondern genau das Gegenteil. Der Weinyuppie feiert sich, hält sich für hip und  für die Avantgarde. Dabei ist er doch nur einer kleingeistigen Posse zum Opfer gefallen. Zugeben kann man das nicht. Denn die meisten dieser Weine sind oxydativ und schmecken wie alte Bohnensuppe. Fehltöne sind der Urknall. so muss Wein sein. Was ist das nur für ein Blödsinn? 

Warum Wein und nicht Auto? 
 

Tja das ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann in unserer Überfluß- und Überdrussgesellschaft der nächste Hype losgetreten wird und vermutlich die gleichen Personen dann den Teslaroadster als Naturauto feiern. Oder war das schon?   
Der Wein ist dran, weil er das Getränk der Zeit ist. Das Auto muss noch warten. Können Sie sich noch an die Molekularküche erinnenern?  Oder nehmen Sie mal die Musik ein Trend jagt den nächsten. Die Nachkommen von Madonna kann man schon gar nicht mehr zählen und an Sie erinnern? Wie hieß die noch mal? Man vergißt es, weil es Leute sind die einfach nichts zu sagen haben. Aber Mozart, Bach, Dylan und die Beatles sind immer da.
Bisher ist Wein ohne Spinner im großen Maße ausgekommen. Der Winzer machte Wein, der sollte schmecken und sauber sein. Das reicht den selbsternannten, dogmatischen und ins esoterische abgleitenden Erneuerern der Weinkultur nicht. Sie halten sich für  provokannt, lutschen ihr Thema Orange Wines den ganzen Tag aus, und sind doch angepasster als Sie und ich.  

Rainer Albert Huppenbauer
   
           
Tags: Naturwein, Orange Wines